korrekt! Newsletter

Oktober 16th, 2008


korrekt! Oktober 2008

Liebe Leser und Freunde von korrekt!,

mit diesem Newsletter möchten wir Ihnen gerne wieder einen unserer Partner im Interview vorstellen.

Jean-Marie Albert Bottequin ist 1941 im belgischen Gent geboren, begann seine Karriere als freier Fotograf und Fotodesigner. Er arbeitete unter anderem mit Andy Warhol, Ingmar Bergman, André Heller, Pina Bausch, Friedensreich Hundertwasser und Karl-Heinz Böhm. Es folgten internationale Seminare über Wahrnehmung in der Bildsprache (auch als Berater der UNESCO und des Europarates).

Jean-Marie ist heute Mime, Clown, Fotograf und Trainer für Körpersprache. Er ließ sich bei namhaften Experten der Mime wie Marcel Hoste, Marcel Marceau und Pinok & Matho (Théatre Temp, Paris) ausbilden. Trainings bei dem bekannten Schweizer Clown Olli Hauensteiner und Trainings in gewaltfreier Kommunikation bei Marshall Rosenberg erweitern sein Repertoire.

Man kann nicht nicht kommunizieren, bringt es Paul Watzlawick auf den Punkt.

Unser Körper spricht immer. Mimik, Gestik, Tonfall, Haltung, Gang hinterlassen einen bleibenden Eindruck, sie prägen Sympathie und Antipathie deutlicher als alles, was wir sagen. Lesen Sie, was Jean-Marie Bottequin zum Thema Körpersprache sagt:

Beobachten Sie Ihr Gegenüber ständig und interpretieren Sie seine/ihre Körpersprache?
“Eigentlich ja. Das ist bei mir eine bewusste Handlung. Bei anderen Menschen läuft das eher unbewusst. Jeder nimmt fast alles oder viel auf (ohne es zu wissen) und reagiert durch Interpretationen, z. B. durch Sympathie oder Ablehnung. Wir erinnern uns an jemanden eher durch unsere Emotionen als an das Gesagte. Die Nonverbale Signale sind sehr einprägsam und machen über zwei Drittel unsere Wirkung aus, die wir aussenden, auch wenn wir nichts tun.”

Was beeinflusst unsere Körpersprache?
“Unsere Körpersprache wird von vielen Aspekten aus unsere Vergangenheit stark beeinflusst. Haltungen unserer Familienmitglieder – vererbt oder angenommen – prägen unsere Gangart, unser gerades oder krummes „Stehen”. Viele imitierten Haltungen unserer Helden aus Film und TV, auch Comics beeinflussen uns. Wir sind Champions darin, in jungen Jahren Haltungen und Gesten unserer Freunde aus der Schule und Freizeit zu übernehmen.

Das Leben selbst prägt uns am meisten. Das bedeutet, dass unsere Glaubensätze, selbst unsere positive oder weniger starke Lebenskraft unsere Gebärden formt, unsere Aufrechthaltung „biegt” und viele wichtige „Knotenpunkte” in der Muskulatur unseres Körpers dementsprechend eine besondere „Zeichnung” gibt.”

Kann man Körpersprache so üben, dass sie authentisch wirkt oder sehen wir immer „trainiert” aus?
“Unsere Haltung sollten wir von früh an üben und „zurechtbiegen”. Wir verfallen viel zu schnell in unschöne Haltungen in unseren Komfortzonen. Gerade in dieser Zeit, wo Eltern und Schule weniger Aufmerksamkeit der richtigen Körpersprache schenken – es wäre ja heute verpönt einen Jugendlichen zu rügen wegen seiner schlampigen Sitzhaltung – merken wir eine globale schlechtere Haltung des Menschen. Er geht nicht aufrecht, sitzt schlecht, was ihm gravierende gesundheitliche Schäden bringt.

Es ist in der Tat nicht einfach – oder sogar unmöglich – eine eingefahrene Gewohnheit zu ändern. Umso mehr ist Mühe und Disziplin notwendig, um das Verbogene noch mal zu verbiegen. Am Anfang der „Verwandlung” in eine authentischere Körpersprache erscheint die Neue am Anfang unecht und aufgesetzt.

Übung macht den Meister. Wir können auch nicht eine neue Sprache in einem Wochenende lernen. Warum sollten Verkäufer, Führungskräfte, Mitarbeiter, alle die an einer „neuen verbesserten Körperausdruck” interessiert sind, diese „Sprache” in einigen Tagen lernen können? Regelmäßiges Training mit einem geübten und professionellen Lehrer ist sicher nötig, um – wie im Schauspiel und Film – „echt” auszusehen.”

Gibt es Gesten oder Mimiken, die den ersten Eindruck besonders stark positiv oder negativ beeinflussen?
“Gesten die von oben nach unten „herunterdrücken” sind zwar unbewusst, sagen aber viel aus über die wahre Einstellung des Sprechers. Gesten die nur „nach innen” geformt werden, sind deutlich introvertierter als Gesten, die vom Körper weggehen.
Mimiken sind meistens verräterisch. Mit dem Typ Mensch (das Naturell) und seiner Gesichtsform können wir Gedanken, Gefühle, Lügen weniger oder mehr exakt deuten. Meistens sind Lapsi und Zuckungen Zeichen von große Unsicherheit, die wieder über die jeweilige Persönlichkeit, z. B. Gelassenheit, innerem Stress, Zuverlässigkeit viel aussagen können.”

Welche Gesten deuten Offenheit und Sympathie dem Gegenüber an?
“Das Körpergesicht (Kopf und Brust) in einem direktem Gegenüber strahlen mehr mögliches Charisma aus als indirekte und flüchtige Haltungen. Ein offenes Handgeben (Handpalme nach oben) schenkt Vertrauen. Augenkontakt ist stets wichtig um authentisch zu kommunizieren.”

Wird Körpersprache von Geschäftsleuten überinterpretiert?
“Niemals. Sie kann nicht früh und gut genug gelernt werden. Leider fehlt es im Schulunterricht. Auch später vermissen wir die wohltätige und heilsame Folge einer guten Erziehung, wo Körpersprache durch Gesellschaftstanz, Ballet für Kinder, Jazz- und oder freiem Tanz neben bestimmten Sportarten oder Theaterspiel geübt wird. Dabei ist Pantomime völlig aus der Mode geraten, um nicht zu sagen, lächerlich gemacht worden.”

Wie sollte ich mich auf der Bühne verhalten, damit meine Präsentation zum Erfolg wird?
“Bei einer Präsentation werden gute Absichten, kopflastige Lernproben schnell durch Lampenfieber zunichte gemacht. Viel schlimmer noch sind die unbegreiflichen Hemmungen, die Schweißausbrüche geben, Schulterzucken und Arme und Beine die – ohne bewusste „Kommandos” des Gehirns- irgendetwas machen, was dann nichts bedeutet, außer zappeln oder den Zuschauer seekrank machen.

Ruhig auf zwei Beinen stehen, die Füße in eine bewusste Richtung richten und die Arme und Hände auch sinnvoll zur Unterstützung des Gesagten (= “Gedachten”) in runden, nicht gehackten, offenen Formen “zeichnen”. Körpersprache heißt auf Französisch und English Mimographie und deutet auf das Zeichnen mit den Körper
(Photographie = Zeichnen mit Licht).”

Gibt es eine typische weibliche und männliche Körpersprache?
“Durch die verschiedene Breite von Schulter und Becken bei Frau und Mann, wirken die jeweiligen dynamische Ausdrücke der beiden Geschlechter sehr unterschiedlich. Die Schwungkraft, Geschwindigkeit, Härte des Aufsetzens, Rhythmik und so weiter sind merklich typisch für die weibliche Körpersprache und werden also bei Männer anders bewertet. Wir können dadurch Lust und Laune, Absichten und gesundheitliches befinden genau feststellen.”

Was ist ein Lapsus und wie werde ich ihn los?
“Ein sprachliches Versprechen entsteht wenn wir Verzögerung haben beim Denken, bzw. eine Antizipierung. Versprechen entstehen aus dem Unter- oder Unbewussten.
Körperlapsi sind ein Zeichen von Emotionen, die nicht frei nach “Außen” konnten.
Wir machen unsere versteckten Gefühle bewusst. Das geschieht durch eine Nicht-Verdrängung von wichtigen Bedürfnissen. Unbefriedigte Fragen oder Nöte werden im Körper selbst abgelagert. Diese Art der “gefangenen” Emotionen (cfr. Movere, Latein; motion = Bewegung) werden durch bestimmtes Zucken, plötzliche unkontrollierte Gesten und den sogenannte Lapsus durch unseren Körperausdruck gezeigt.”

Welche Kultur hat für Sie die schönste Körpersprache?
“Die Mittelmeerkultur hat sicherlich eine sehr expressive (Körper-)Sprache.
Auf meinen Reisen in Japan haben mir die Menschen dort sehr imponiert durch ihre reservierten und höflichen langsam gleitenden und fließenden Gebärden und Gesten.”

Wussten Sie, dass Michael Jackson inspiriert war von Marcel Marceaus „Marsch gegen den Wind” als er seinen „Moonwalk” kreierte? Was fasziniert Sie an der Körpersprache?
“Marcel Marceau war nicht der erste wichtiger Bahnbrecher in der Kunst der Körpersprache. Viel mehr hat Etienne Decroux Körperausdruck (expression corporelle) als erster als “Sprache” gedeutet. Aus dieser Schule kam Marceau’s Inspiration, die wieder so viele Künstler weiter inspiriert hat.

Die Kunst der Körperbeherrschung, der Körperbalance zeigt den ganzen Menschen. Wir sehen und spüren durch das Verbale nur eine halbe Persönlichkeit. Einheitlich entlarven wir uns durch die unbewusste Formen und Dynamiken unsere Bewegungen und Haltungen. Deswegen tun wir gut daran, diese zu kontrollieren: unser Lachen und Lächeln, Gehen und Stehen. Wir lernen den Unterschied zwischen Gestikulieren und die sinnvolle ästhetische Bewegung von Armen, Händen und Beinen.”

Sollten wir Ihr Interesse an Trainings zum Thema Körpersprache und Präsentationstrainings geweckt haben, freuen wir uns auf Ihre Anfragen.

Weiterhin viel Erfolg bei Ihrem Auftritt wünscht

Ihr korrekt!-Team

Christina Tabernig & Anke Quittschau

P.S.: Kennen Sie schon unsere CD-Box “Knigge – Ready for Business” in Kooperation mit dem Handelsblatt und der Wirtschaftswoche? Informieren Sie sich hier:

Weitere Informationen rund um das Thema “Image-Consulting” finden Sie unter: http://www.korrekt.de/

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